Hochwasserschutz wird komplettiert – Wasserverband Sulm investiert Millionen in neue Becken

Weinsberg, 01. Juli 2020

Baustellentermin für den Bau der beiden Hochwasserrückhaltebecken Hängelbach und Amorbach vor den Toren der AUDI AG: Der Wasserverband Sulm mit Sitz in Weinsberg baut derzeit für 3,2 Mio Euro die letzten beiden Becken des Hochwasserschutzkonzepts für das Sulmtal. Baubeginn war vor gut 3 Monaten, die Fertigstellung ist für Ende 2020 angepeilt. Auf Einladung von Bürgermeister Stefan Thoma als dem Verbandsvorsitzenden des Wasserverbands Sulm trafen sich aus aktuellem Anlass Vertreter der Städte Weinsberg, Neckarsulm und Bad Friedrichshall mit Vertretern des Ingenieurbüros Winkler und Partner, das die Planungen vorgenommen hat, der ausführenden Baufirma Wolff und Müller, Kreiskämmerer Thomas Schuhmacher und Vertretern der Audi AG.

Die Notwendigkeit der Realisierung der beiden nun im Bau befindlichen Becken zeigte sich spätestens im Jahre 2016, als ein verheerendes Starkregenereignis, wie es statistisch nur alle 500 Jahre auftritt, genau die Region vor den Werkstoren der Audi AG getroffen hat. Damals wurde nahezu das halbe Werk geflutet, was zu Produktionsausfällen und hohen materiellen Schäden geführt hatte. Aber auch Anlieger wie die Hasenmühle waren damals schwer betroffen, die Bahngleise sowie die Kreisstraße wurden ebenfalls überflutet. In der Folge wurden die Planungen für die beiden noch fehlenden Becken mit Hochdruck vorangetrieben, obwohl das Stauvolumen, das zurück gehalten werden kann, nur rund 1,5 % des Gesamtstauvolumens des Beckensystems des Wasserverbands Sulm ausmacht. Um den Hochwasserschutz an dieser Stelle zukunftssicher aufzustellen, hat der Verband mit seinen Mitgliedern entschieden, über den bislang im Land Baden-Württemberg als Standard vorgegebenen 100-jährigen Hochwasserschutz die Vorteile der Topographie des Geländes zu nutzen und an dieser Stelle das Maximum des 500-jährigen Hochwasserschutzes zu realisieren. Diese vorausschauende Sichtweise des Verbands wurde leider durch zu Zuschussregeln des Landes konterkariert, das für den besseren Hochwasserschutz keinerlei Förderung übernimmt. Die Bemühungen der Verbandsspitze und der eingeschalteten Abgeordneten aus der Region stießen in Stuttgart bedauerlicherweise auf „taube Ohren“, so dass nun die am Verband beteiligten Kommunen sowie der Landkreis Heilbronn, die Städte Neckarsulm und Bad Friedrichshall und die Audi AG über Sonderzuschüsse für die Baukosten aufkommen.

Bürgermeister Stefan Thoma dankte für die weitsichtige und solidarische Unterstützung den Verbandsmitgliedern und der Audi AG für die die pragmatische Unterstützung bei der Finanzierung des 3,2 Mio. EURO  teuren Projekts. So wie man solidarisch auf das Jahrhunderthochwasser von 1970 mit der Gründung des Wasserverbands im Jahre 1973 reagiert habe, so stehe die Raumschaft heute wieder zusammen, um dem Klimawandel zu trotzen und dem Hochwasserschutz im Sulmtal eine neue Qualität zu verleihen.


Bau der Rückhaltebecken Amorbach und Hängelbach hat begonnen

Weinsberg, 22. April 2020

Nach witterungsbedingten Verzögerungen konnte der Wasserverband Sulm als Bauherr mit der Realisierung des Bauvorhabens zum Neubau der beiden letzten Hochwasserrückhaltebecken des Wasserverbands Sulm beginnen.

Der Wasserverband Sulm hat die Aufgabe, den Wasserabfluss der Sulm und ihrer Nebenflüsse durch Hochwasserrückhaltung und Niedrigwasseranreicherung zu regeln bzw. sonstige geeignete Maßnahmen zum Hochwasserschutz zu ergreifen.

Die geplanten und nun begonnenen Hochwasserrückhaltebecken Amorbach und Hängelbach auf den Gemarkungen der Städte Neckarsulm und Bad Friedrichshall sind Teil des Gesamtsystems des Zweckverbands, das grundsätzlich auf einen 100-jährigen Hochwasserschutz ausgelegt ist. Der Verband, dessen Gründung in das Jahr 1973 zurückgeht und dessen Vorsitzender der Weinsberger Bürgermeister Stefan Thoma ist, unterhält bislang aus seinem Gesamtbauprogramm 15 Becken zum Schutz aller Gemeinden und Städte von Obersulm bis Bad Friedrichshall.

Anlass für die Gründung des Wasserverbands Sulm im Jahre 1973 war das katastrophale Hochwasser vom Mai 1970, das zu schweren Überschwemmungen im Sulmtal und vor allem in Neckarsulm und auf dem AUDI-Gelände geführt hatte. Zur Hochwasserfreimachung des Sulmtals wurden in den folgenden Jahren zunächst 13 Hochwasserbecken vom Wasserverband Sulm gebaut und zwei bestehende Becken übernommen, wofür der Wasserverband Sulm bzw. seine Mitglieder in den zurückliegenden Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag investiert haben. In den vergangenen Jahren haben diese Becken bei starken und lang andauernden Regenfällen ihre Wirksamkeit bewiesen und die jeweiligen Gemeinden vor größeren Hochwasserschäden geschützt.

In der Nacht vom 29. auf den 30. Mai 2016 wurde die Region von einem schweren Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen heimgesucht, die sich bei der im Nachgang durchgeführten Bewertung als 500jähriges Niederschlagsereignis herausgestellt haben.

In Folge dessen wurde die Planung dieser beiden Hochwasserrückhaltebecken wieder vorangetrieben und erstmals auf einen höheren Hochwasserschutz als bisher ausgelegt, um dem klimatischen Wandel zu entsprechen. Durch weitreichende Ausgleichsmaßnahmen kann der Eingriff in die Natur ausgeglichen werden.

Bedauerlicherweise hat sich das Land Baden-Württemberg beim Bau dieser beiden letzten, aber wegen des hohen Schadenspotentials sehr wichtigen Becken komplett aus der Mitfinanzierung „verabschiedet“. Nach den Förderrichtlinien Wasserwirtschaft wird der Bau von Hochwasserrückhaltebecken nur gefördert, wenn er notwendig ist und einen überörtlichen Schutz darstellt. Bauvorhaben mit einem über 100-jährigen Hochwasserschutzgrad werden als nicht zuwendungsfähig eingestuft, unabhängig von der Notwendigkeit der Maßnahme.

Trotz abgelehnter Landesförderung haben sich die Verbandsmitglieder solidarisch dafür entschieden, die beiden Hochwasserrückhaltebecken Amorbach und Hängelbach mit dem einzig sinnvollen größtmöglichem Schutz (500-jährig) zu bauen. Die Baukosten i.H.v. insgesamt 3,1 Mio. € werden neben den satzungsmäßigen Beteiligungen aller Verbandsmitglieder zusätzlich durch Sonderzuschüsse des Landkreises Heilbronn, der Städte Neckarsulm und Bad Friedrichshall, sowie der AUDI AG flankiert.

Das Ingenieurbüro Winkler und Partner GmbH aus Stuttgart und weitere Fachplaner haben die Genehmigungsunterlagen erstellt und begleiten ebenfalls die Bauausführung.

HRB AmorbachHRB Hängelbach
Stauraum13.200 m347.500 m3
Dammhöhe7,3 m5,9 m
Dammlänge80 m200 m
Größe Einzugsgebiet1,6 km22,8 km2
Kosten1,4 Mio. €1,7 Mio. €

Der ursprünglich geplante Baubeginn im Dezember 2019 musste auf Grund ungünstiger Witterung leider verschoben werden. Lediglich die erforderlichen Baumfällungen zur Freimachung des Baufeldes konnten noch im Winter erledigt werden. Das Unternehmen Wolff & Müller, Tief- und Straßenbau GmbH & Co. KG, konnte inzwischen mit den Arbeiten beginnen. Der offizielle „Spatenstich“ musste leider wegen der Corona-Krise abgesagt werden. Die Fertigstellung der beiden Hochwasserrückhaltebecken ist für Ende dieses Jahr vorgesehen.

Ansprechpartner

Verbandsvorsteher Stefan Thoma
E-Mail stefan.thoma(at)weinsberg.de
Telefon 07134 512-101

Geschäftsführerin Daniela Wenninger
E-Mail daniela.wenninger(at)weinsberg.de
Telefon 07134 512-251